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Gegenort 2014

Die Einladung zur kommenden Aktion: ‘GegenOrt’
siehe auch: www.gegenort.org


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yukiguni (schneeland)

Berlin 2010/11

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ANDRE MAILÄNDER
Yukiguni (Schneeland)

Jenseits des langen Tunnels erschien das Schneeland. Der Nacht Tiefe wurde weiß.
Die Dampflok hielt an einem Signal.
(Kawabata Yasunari, Schneeland)

Die fotografische Arbeit mit dem Titel ‘Yukiguni’ (Schneeland), ist im Winter 2010/2011 in Berlin entstanden. Sie ist benannt nach dem Roman yukiguni des japanischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Kawabata Yasunari.
Kawabata hat seinen 1934 begonnenen Roman immer wieder umgeschrieben, gekürzt und um weitere Kapitel ergänzt, bis er die für ihn perfekte Form hatte. Erst 1947 wurde „Schneeland“ in seiner endgültigen Form veröffentlicht und gilt seitdem als ein Meisterwerk der japanischen Literatur. Man rückt den Autor häufig in die Nähe der großen Haiku-Dichter des 17. Jahrhunderts, weil sein Roman vom Gegensatz aus innerem Erleben und äußerster stilistischer Sparsamkeit lebt.

Das ästhetische Prinzip, das Kawabata seiner traurigen Geschichte zugrunde legt, ist das des mono no aware. Zunächst nur auf Literatur und die Empfindung des Lesers bezogen, beschreibt dieser zentrale japanische Kulturbegriff das Gefühl der Wehmut angesichts der Vergänglichkeit der Dinge. In diesem Begriff verschmelzen Hochgefühl, Ergriffenheit, Erkenntnis und Abschied. Es ist zugleich die Demut vor der Schönheit der Natur, das Versinken in einem Anblick, das blitzschnelle Aufflackern einer Trauer und die wehmütige Erinnerung an das Gewesene. Es ist der glückliche Moment und sein Ende.

Formal gesehen bietet der fragmentarische, immer wieder verwandelte Charakter von Kawabatas Roman einen Ausgangspunkt für die hier gezeigte fotografische Arbeit. Auch sie wird sich im Laufe der Zeit verändern, unterschiedliche Formen annehmen. Der Prozess des Auswählens, Verwerfens, Veränderns, Ergänzens wird hier weniger als Verzögerung auf dem Weg zu einem vollkommenen Zustand gesehen, als vielmehr als eine dem Werk inhärente Notwendigkeit, eine Eigenwilligkeit der Arbeit, in deren Dienst der Künstler sich stellt. In diesem Zusammenhang kann es nur schlüssig sein, wenn jedes der hier gezeigten Bilder in seiner präsentierten Form ein Unikat in einer Serie von Varianten bleibt.

Der Begriff des mono no aware übt auf uns Europäer eine Faszination aus, weil er in unserer westlichen Kultur so nicht existiert und uns dazu auffordert, voneinander getrennte Empfindungen in einem Begriff zu verstehen. So bleibt eine Beschreibung dieser Ästhetik immer nur eine intuitive Annäherung an etwas, das uns zwar reizt, aber das wir doch allein Kraft unseres Verstandes nie ganz erfassen können. An diesem Punkt kann die Fotografie das festlegende Gerüst der Sprache hinter sich lassen und der Intuition den Raum bieten, den sie zur Entfaltung braucht.

Text Bettina Hanstein

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ANDRE MAILÄNDER
Yukiguni (Schneeland)

The train came out of the long tunnel into the snow country. The earth lay white under the night sky.
The train pulled up at a signal stop.
(Kawabata Yasunari, snow country)

The photographs of the series called „Yukiguni“ were taken in Berlin during winter 2010/2011. They were named after the novel yukiguni by Japanese author and nobel prize winner Kawabata Yasunari.
Kawabata started writing his novel in 1934 and kept working on it for many years, adding chapters, shortening and re-writing it, until it had reached the perfect form in his eyes. „Snow country“ was published in its integral form in1947 and has been considered since then one of the masterpieces of Japanese literature. Kawabata has been put in a literary line that can be traced back to seventeenth-century haiku masters, as his work lives from the contrast between inner feelings and an elliptic, subdued style.

The aesthetical principle underlying Kawabata’s sad story ist the one of mono no aware, a term initially only used in literary contexts to refer to the reader’s emotions. Later on, the meaning expanded to become one of the fundamental principles of Japanese cultural tradition. It describes the sensitivity related to the transience, the ephemeral character of things. This conception fuses elation, poignancy, awareness and farewell. It is at the same time the humility in the face of nature’s beauty, the contemplation of a sight, sudden flashes of sadness and the wistful reflection of what has been. It is the moment of bliss and its ending.
Concerning the formal aspects, Kawabata’s novel in its fragmented, constantly re-shaped character provides a starting point for the photographic work being presented here. This art work will be evolving in time, will take different shapes. The process of selecting, discarding, changing, adding is not so much considered an interruption of a path that leads to completion, but rather an intrinsic property of the work which the artists has no choice but to accept. Therefore it seems only consistant that the photographs presented in this exhibition will remain unique pieces in a series of variants.

The conception of mono no aware exerts a certain fascination on us Europeans, because it is inexistant in our culture. It invites us to comprehend separate feelings or sensations under one single term. Thus the description of this aesthetics can only ever be an intuitive approach to something which allures us, but which we can never grasp in its extent. From then on it should be left to photography to overcome the boundaries of language and allow the space for intuition to unfold.

Text and translation Bettina Hanstein
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Yukiguni (Schneeland)

2010/ab Dezember 2012, Fine Art Print, Hahnemühle, fortlaufend numeriert, Höhe 111,8 cm, Text zu Yukiguni (Schneeland) siehe unten

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Categories: artwork.

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‘Dancing Darkness // Zeitgenössische Fotografie’ zeigt: Yukiguni (Schneeland)
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http://dancing-darkness.tumblr.com/

Categories: artwork.

Categories: artwork.

trees, cars, family homes

2012, work in progress, excerpt

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Categories: artwork.

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Fotosynthesen, Fotografische Arbeiten von Joachim Lischke und André Mailänder, Saarlandmuseum 2010
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Woven Places – Urban Fabric

Entwurf Künstlerbuch, work in progress, 2012













Woven Places – Urban Fabric
Ein abgeschiedenes Gelände, nur über wenige Zugänge erreichbar. Einerseits Wiese, ein weiterer Teil mit Büschen und halbwüchsigen Bäumen bestanden. ‘Sukzessions-vegetation’, Vogelschutzgebiet. Ein seltsamer Fall einer arkadischen Landschaft. Hundeauslaufgebiet ganzjährig, im Sommer ein nachgesagtes FKK-Gebiet am Rande gesellschaftlicher Konvention. Abbruchkante der Zivilisation?

Ursprünglich verplant als Gewerbegebiet, in den 1970ern abgesagt; eine intakte, aber ins Leere führende und namenlose Brücke zeugt davon. Früher das Gelände des ersten Flughafens der Stadt – unglücklich, wegen des hohen Grundwasserspiegels der Flussaue. Die Bombentrümmer der Stadt wurden nach dem Krieg hierher gebracht. Dazu später Bauschutt und das Material des Aushubs der Flussbegradigung. Schicht für Schicht wurde aufgeschüttet. Eine sinnschwere Mischung. Symptome des Krieges, vermischt mit Symptomen der anhaltenden Verdrängung der Traumata danach. Der Zeit und sich selbst überlassen.

Es ist eine seltsame Gegend, eine anziehende Gegend. Ich muss an Walter Benjamins Interpretation des Paul Klee-Bildes, des “Angelus Novus” denken. Der Engel der Geschichte, der dem Sturm ausgesetzt ist und die Flügel nicht mehr schließen kann. Allerdings in Abwandlung der ursprünglichen Geschichte. Nämlich die, dass der Sturm hier kurz aussetzt, der Engel der Geschichte für einen kurzen Augenblick die Flügel schließen kann, der Fortschritt nicht stattfindet. Denn dieses vergessene Stück Land, vielleicht eine Art windstilles Auge in diesem Sturm, wirkt in seiner ruhigen und bescheidenen Weise wie eine allegorische Erzählung, die sehr eigentümlich den erstarrten und knöchernen Seelenstand einer ganzen Generation unverstellt wieder zu spiegeln scheint.

Außerhalb ist man beschäftigt die Dinge der Zeit unter noch tieferen Schichten zu begraben – die Stadt, der Fluss – der Wind weht, ohne anzuhalten. Diese Fortschrittsbilder kennen wir. Aber dieses kleine Stück Land scheint mir, in einer ersten Annäherung, zur Beschreibung eines inneren Zustands, ein besseres, ein wichtigeres Bild.
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Woven Places – Urban Fabric
A secluded area, only few paths allowing access.
Some part meadows, some covered with shrubs and half-grown trees.
Vegetation succession, bird sanctuary. A strange case of an arcadic landscape. A dog walking area throughout the year, during the summer a said to be nudists’ spot on the edge of social convention. Civilisation’s break-off edge?

Initial plans for an industrial estate were called-off in the 1970s; an untouched but nameless bridge still bears testimony – leading into the empty.
It used to be the grounds of the city’s first airport – unfortunate, due to the high water level of the flood plain. The debris of the bombed city were brought here after the war. Later on, construction debris and material left from the river regulation. Layer after layer. Meaningful melange. War symptoms mixed up with the symptoms of the ongoing repression of the subsequent traumas. Left to time and its own self.

It is a strange area, a fascinating area. It makes me think of Walter Benjamin’s interpretation of a painting by Paul Klee, “Angelus Novus”. The angel of history is exposed to the storm and is not able to close his wings. Here, the original story is slightly altered, in such way that the storm is briefly suspended, the angel is able to close his wings for a short moment and progress is not taking place. After all, this forgotten piece of land, possibly some kind of windless eye in the storm, acts in a quiet and modest way like an allegoric narration, which seems to reflect characteristically and without disguise the stiffened, sclerotic soul status of a whole generation.

Outside, they are busy burying the things of time under even deeper layers – the city, the river – the wind blows, relentlessly. These pictures of progress are well-known to us. But in a first approach, when it comes to describing an inner state of mind, this small piece of land seems to me like a better, a more important picture.
(Translation: Bettina Hanstein)

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