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“Die folgenden Ausführungen betreffen ein Kapitel der Phänomenologie der Landschaft. Allgemein sei dies vorausgeschickt: Wenn man etwa einen einzelnen Hügel vor sich hat, der als „Raumgestalt“ in der Ebene steht, mit seinem Fuß unter ihre Oberfläche reichend, so kann man sich auch vorstellen, dass es sich nur um eine Krümmung der Ebene, um eine Bodenwelle handelt; man kann den Hügel auch als „Flächengestalt“ sehen. Oder wenn der Spaziergänger Äcker und Wiesen als Natur im ästhetischen Sinne vor sich sieht, so kann er sich sehr wohl auch die ganz andere Landschaft vorstellen, die der Ackerbauer hier antreffen würde. Auf eine solche Vorstellung hin kann dann zweierlei eintreten. Entweder ändert sich tatsächlich die phänomenologisch wirkliche Landschaft: An Stelle des Raumgestalthügels steht nun wirklich ein Flächengebilde da. In der Regel jedoch behält die neue Landschaft den Charakter als etwas nur Vorgestelltes gegenüber der phänomenologisch wirklichen Landschaft. Diese Position als Vorstellung gegenüber der Wirklichkeit wird auch dadurch nicht beeinträchtigt, daß man die vorgestellte Landschaft „sieht“: Die Tatsache des Wahrgenommenwerdens macht den Flächenhügel noch nicht zu einem wirklichen Flächenhügel, sondern läßt ihm die Stellung eines vorgestellten Gebildes. Auch gegenüber den im folgenden beschriebenen Landschaftsgebilden war ein solches Ersetzen durch andere, vorgestellte Gebilde in der Regel möglich… * zitiert aus ‘Kriegslandschaft (1917)’ von Kurt Lewin in “Remembering Landscape. Landschaft die sich erinnert”, Snoek, 2018, S. 299